Geschichte von der Ehebrecherin

 

8:1 Jesus aber ging nach dem Ölberg. 2 Frühmorgens aber kam er wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm; und er setzte sich und lehrte sie. 3 Die Schriftgelehrten und die Pharisäer aber bringen eine Frau, die beim Ehebruch ergriffen worden war, und stellen sie in die Mitte 4 und sagen zu ihm: Lehrer, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden. 5 In dem Gesetz aber hat uns Mose geboten, solche zu steinigen. Du nun, was sagst du? 6 Dies aber sagten sie, ihn zu versuchen, damit sie etwas hätten, um ihn anzuklagen. Jesus aber bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. 7 Als sie aber fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie. 8 Und wieder bückte er sich nieder und schrieb auf die Erde. 9 Als sie aber dies hörten, gingen sie, einer nach dem anderen, hinaus, angefangen von den Älteren; und er wurde allein gelassen mit der Frau, die in der Mitte stand. 10 Jesus aber richtete sich auf und sprach zu ihr: Frau, wo sind sie? Hat niemand dich verurteilt? 11 Sie aber sprach: Niemand, Herr. Jesus aber sprach zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr!

Die Worte Jesu "Auch ich veurteile dich nicht" sollten uns immer in den Ohren klingeln wenn wir einem anderen nicht vergeben wollen. Natürlich, Jesu fordert die Umkehr ("Geh und sündige fortan nicht mehr"), es geht nicht darum, Vergehen, Fehler oder eben Sünden gutzuheissen, aber seine Barmherzgigkeit, seine Vergebung wird aus einer Art Vertrauensvorschuss geschenkt.

Auch hier ist Christus unser Vorbild, wenn er das Potenzial zum Guten in der Ehebrecherin sieht. Und ist eine solche Vergebung nicht das Ergebnis wirklich geistlicher Größe, muss man nicht wirklich geistig stark und erwachsen sein, um so zu vergeben - ohne das Vergehen kleinzureden, aber doch den Menschen in Liebe anzunehmen? Barmherzigkeit als Größe - oder doch ein Schwächling?

Barmherzigkeit, das verlangt nach Reife, das verlangt nach Umkehr im Blick auf andere Menschen, gerade auf die, die ich nicht leiden kann oder die mir was angetan haben. Augustinus sagt: Hasse die Sünde, aber liebe den Sünder! So geht christliches Leben, so geht Barmherzigkeit. Das ist nicht selten ein Spagat, es ist nicht leicht, verlangt Kraft und Ausdauer und wird von Rückschlägen begleitet sein. Aber niemand hat gesagt, dass ein christliches Leben einfach sein wird. Es ist nichts für Schwächlinge!

 

 

 

 

 

   
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